Glasfusing
Glasfusing, die Verschmelzung von Glas bei 800°C – 900°C ist eine über 2000 Jahre alte Technik, die Ihre Wurzeln in der Antike hat. Bereits um 2000 v. Chr. wurden Glasstäbe zu Schalen verschmolzen. Nach antiken Ursprüngen im Vorderen Orient hat sich diese Technik durch moderne Öfen und vor allem durch die Entwicklung von Glassystemen die sich spannungsfrei verschmelzen lassen zu einem neuartigen Verfahren der Glaskunst entwickelt. Der Glaskünstler Klaus Moje war hier Pionier, er hatte Versuche unternommen die zu der Zeit in Venedig bekannten bunten Mosaikstäbe zu Platten und Schalen zu verschmelzen und war mit dem Problem konfrontiert dass Stäbe unterschiedlicher Farben unterschiedliches Verhalten beim Abkühlen zeigten und die Objekte Spannungsrisse bekamen.
Zusammen mit den Gründer der amerikanischen Glasmanufaktur Bullseye entwickelten Sie das erste System, bei dem alle Farben frei mit einander verschmolzen werden konnten und öffneten einen völlig neuen Zweig der Glaskunst.
Klaus Moje ist 1982 einen Ruf einer australischen Kunsthochschule gefolgt und einer der renomiertesten Glaskünstler auf diesem Gebiet geblieben.
Leider weiß ich das Jahr nicht mehr (analoge Bilder haben leider keine Tags :-)) aber ich durfte einmal an einem Workshop mit Klaus Moje teilnehmen. Er hat meine Arbeit mit Glas nachhaltig geprägt. Insbesondere in dem Bereich der Farbsysteme und Farbuniversen, aber auch im Bereich der Oberflächenbearbeitung von Glas. Auf dem Foto habe ich, unter den prüfenden Augen des Meisters Klaus Moje, das schleifen verschmolzener Oberflächen geübt.


Pate de Verre
Das Thema Pate de Verre, also das verschmelzen verschieden farbiger Glaspulver und Glasmehle ist mit dem Glasfusing verwandt, hat sich aber historisch in ganz anderen Regionen entwickelt. Hervorzuheben ist hier der Franzose Emile Gallé und die Kristallerie Daum Frères (Nancy) die im Jugendstil prägende Kunstwerke in dieser Technik erschaffen haben. Eine breite Szene in der Neuzeit gibt es in Japan. Alles in allem ist dieses Verfahren um einiges aufwändiger und daher ist die Szene in der Neuzeit kleiner geblieben.
Mich hat bei diesem Thema die Kombination aus beiden Techniken interessiert. Für die Schalenserie „‚Irrr-Suppe“ wurde Fusingglas in einem Ofen mit einem Loch im Boden geschmolzen. Das geschmolzene Glas fließt in einen Eimer mit kaltem Wasser und der Glasstrahl erkaltet sofort und zerspringt zu Glasmehl. Da opake Gläser zur Kristallisation neigen hat sich bei vielen Farben hier eine Phasentrennung ergeben. Verschmilzt man diese Gläser erneut, bleiben die Strukturen der Partikel erhalten und das neue Glas entwickelt eine einzigartige Struktur. Aus alten Resten werden so Nukleide/Keime für neues Glas. In der unten abgebildeten Schale ist das in den hell roten Flächen gut zu erkennen. Für die kreisförmigen Amöben wurden Kreise aus buntem Flachglas geschnitten und mit der Schale verschmolzen.


